Medien durchdringen nahezu alle Bereiche des Alltags vom Arbeitsplatz bis in den Freizeitbereich. Medien dienen der Information, der Kommunikation und ebenso der Unterhaltung. Sie nehmen Einfluss auf unser Denken und Fühlen, auf unser Verhalten und unsere Entscheidungen, auf Umfang und Art unserer sozialen Kontakte, auf unseren Lebensstil. Sie eröffnen Chancen und bergen Risiken. Und sie stellen wachsende Anforderungen an unsere Kompetenzen. In unserer modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist der Bedarf an psychologischen Ansätzen zur Erklärung von Mediennutzung und Medienwirkung enorm gewachsen. Psychologische Theorienbildung und Forschung sind zentral gefordert.

Medienpsychologie als wissenschaftliche Disziplin

 

Medienpsychologie beschreibt und erklärt menschliches Erleben und Verhalten im Umgang mit Medien. Aufgabe der Medienpsychologie ist es zum einen,

  • Voraussetzungen für die Nutzung von Medien zu analysieren; „hierzu gehören sowohl die motivationalen Voraussetzungen, die zur Zuwendung zu bestimmten Medien und Inhalten führen, als auch die individuellen Kompetenzen, die für eine angemessene Medienwahl und eine effiziente Mediennutzung erforderlich sind.“
  • Medienpsychologie beschäftigt sich zum Zweiten aber auch mit den „kognitiven, emotionalen und verhaltensmäßigen Wirkungen, welche die Mediennutzung bei Individuen und Gruppen hinterlässt“.
  • Mit der Analyse von Nutzungsvoraussetzungen und der Untersuchung von psychologischen Effekten schafft Medienpsychologie zum dritten „wesentliche Voraussetzungen für die Entwicklung und Weiterentwicklung von Medien sowie ... für die Optimierung medialer Inhalte und Angebotsweisen.“ (aus Mangold, R., Vorderer, P. & Bente, G. Lehrbuch der Medienpsychologie 2004, VII).

Das Spektrum der betrachteten Medien umfasst sowohl Massenmedien, wie Zeitung, Hörfunk, Fernsehen, als auch Medien der Individualkommunikation, wie E-Mail, sowohl klassische Medien als auch die so genannten Neuen Medien.

Anwendungsorientierung

Medienpsychologie ist eine anwendungsorientierte Disziplin. Zu den Aufgabenfeldern zählt u. a. die Analyse der Fernseh- und Hörfunknutzung, des Lesens (von Büchern), des Hörens von Musik, der Rezeption von Unterhaltungsangeboten, aber auch von Nachrichten, die Klärung der Wirkungen von Gewaltdarstellungen, von Werbewirkung, die Analyse der Mensch-Computer-Interaktion, virtueller Realitäten, der Nutzung von Computer- und Videospielen, das E-Learning und die netzbasierte Wissenskommunikation. 

Bei der Untersuchung dieser Phänomenbereiche ist Medienpsychologie in den psychologischen Grundlagendisziplinen verankert. Sie verbindet Modelle und Befunde der verschiedenen psychologischen Teildisziplinen (z.B. Allgemeine, Differentielle, Sozial- und Entwicklungspsychologie) mit eigenen theoretischen Ansätzen: Für spezifische Phänomene der Mediennutzung und -wirkung sollen spezifische Beschreibungen und theoretische Erklärungen gefunden werden. Medienpsychologie liefert so wichtige Beiträge zu einer differenzierten und fundierten Betrachtung oft stark umstrittener Themen.

Interdisziplinarität

Da sich individuelle Medienwirkungen im Kontext historischer, kultureller, politischer etc. Einflussfaktoren vollziehen, muss Medienpsychologie immer auch interdisziplinär orientiert sein. Enge Beziehungen ergeben sich zu den Bereichen Soziologie, Pädagogik, Ökonomie, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Medienwissenschaft, Informatik etc. In Abgrenzung zu anderen Disziplinen orientiert sich die Medienpsychologie stets an der Systemkomponente Mensch und versucht psychische Phänomene, die im Umgang mit den unterschiedlichen Medien eine Rolle spielen, nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu erklären. Aus den Besonderheiten der Mediennutzung ergeben sich spezifische Anforderungen an eine medienpsychologische Methodik. Sowohl eine Weiterentwicklung bereits vorliegender Verfahren als auch die Entwicklung neuer Verfahren stellt einen wesentlichen Bereich medienpsychologischer Forschung dar.

junge Teildisziplin

Medienpsychologie ist eine junge Teildisziplin der Psychologie. „Erst in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren entwickelte sich zunehmend ein systematischeres Verständnis ihres Gegenstandsbereiches ....“ Wichtigster Ausgangspunkt für diese Entwicklung war die Gründung der Zeitschrift „Medienpsychologie“ im Jahre 1989 (seit 2001 „Zeitschrift für Medienpsychologie“). In der Folge ließ sich in den 1990er Jahren ein verstärktes Forschungsinteresse mit einem genuin medienpsychologischen Selbstverständnis erkennen. Die Einrichtung der Fachgruppe Medienpsychologie in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie im Frühjahr 2000 war schließlich eine nahe liegende Konsequenz der zunehmenden Relevanz medienpsychologischer Aufgabenstellungen wie auch der intensiver gewordenen Forschungstätigkeit und sicher einer der wichtigsten Schritte in Richtung auf die Institutionalisierung der Medienpsychologie.“ (aus Mangold, Vorderer & Bente, Lehrbuch der Medienpsychologie 2004, VIII)

Einführende Literatur

Batinic, B. & Appel, M. (2008). Medienpsychologie. Heidelberg: Springer. 

Trepte, S. & Reinecke, L. (2013). Medienpsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.

Berufsfeld Medienpsychologie

 

Zu den Aufgaben der Medienpsychologie gehört die Erklärung von Mediennutzung und Medienwirkung. Medienpsychologen besitzen ein umfangreiches Wissen über menschliches Denken und Fühlen, Lernen und Verhalten – gerade in Bezug auf die Mediennutzung. Daneben benötigen Medienpsychologen analytische Fähigkeiten, die Fähigkeit, Informationen ziel- und adressatenorientiert auszuwerten und zu präsentieren sowie soziale Kompetenzen. 

Das Studium der Medienpsychologie schafft eine Kompetenz, welche die Analyse, Gestaltung und Evaluation medialer Angebote ermöglicht. Auch Schulung, Training und Beratung von „Mediengestaltern“ (Programmierer, Informatiker, Designer, sowie Redakteure oder Moderatoren etc.) im Hinblick auf Fragen der Nutzung oder Wirkung der Medienpräsentation liegen im Aufgabenbereich des Medienpsychologen. Es ergeben sich zudem Tätigkeitsfelder an der Schnittstelle von Medien- und AO-Psychologie (z.B. im IT-Consulting oder im Bereich der Gestaltung von Computer-Supported-Cooperative-Work) oder an der Schnittstelle von Medien- und pädagogischer Psychologie (z.B. Forschung und Entwicklung im Bereich e-learning, Forschung und Schulung zu Fragen der Medienkompetenz). Entsprechend finden sich Medienpsychologen vor allem in Medienanstalten, der Medienwirtschaft und der IT-Branche.

Das Studium der Medienpsychologie

Medienpsychologie beschäftigt sich mit dem menschlichen Erleben und Verhalten im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien. Das Spektrum der betrachteten Medien umfasst sowohl Massenmedien als auch Medien der Individualkommunikation, sowohl klassische Medien als auch so genannte Neue Medien, es reicht also von Printmedien und Fernsehen über Telefon und Email bis zu Internet und Multimedia. Im Vordergrund des Faches stehen Fragen der Medienwahl, der Wahrnehmung, der Verarbeitung und des Erlebens von Medieninhalten sowie Fragen der Medienwirkung (kurz- und langfristige kognitive, emotionale, motivationale Wirkungen, Handeln als Folge der Medienrezeption etc.). Gegenstand ist ferner die nutzergerechte Gestaltung von Medien. Dazu verbindet Medienpsychologie Modelle und Befunde verschiedener psychologischer Teildisziplinen (Allgemeine, Differentielle, Sozial-, Entwicklungspsychologie u. a.) mit eigenen theoretischen und empirischen Ansätzen. Da sich individuelle Mediennutzung und – Wirkungen im Kontext überindividueller Einflussfaktoren vollziehen, ist Medienpsychologie auch interdisziplinär orientiert (Medienpädagogik und -soziologie, Sprachwissenschaft, Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Informatik etc.).

Rahmenprüfungsordnung

Die neue Rahmenprüfungsordnung ermöglicht eine Profilbildung an den Psychologischen Instituten, dies begünstigt die Einrichtung medienpsychologischer Studienangebote im Psychologie-Hauptstudium. Diplomstudiengänge können durch das Angebot von anderen als den klassischen Anwendungsfächern (Klinische Psyhologie, Organisationspsychologie, Pädagogische Psychologie) Profilbildung anstreben. Die Rahmenprüfungsordnung bietet die Möglichkeit, die Angebote an Anwendungsfächern neuen Entwicklungen in Berufsfeldern für Psychologen anzupassen (z.B. in der Medienpsychologie). Für ein vertiefendes Studium können sowohl traditionelle, etablierte Fächer angeboten, als auch neue, insbesondere auch interdisziplinäre, Fächer konzipiert werden. Die Vertiefungsfächer erlauben folglich eine bisher nicht mögliche Profilierung der Studiengänge in Form spezifischer Inhaltsgebiete im Hauptstudium unter Bewahrung einer einheitlichen, breiten Methodenausbildung. So enthält die Rahmenprüfungsordnung beispielhaft eine Fachbeschreibung „Medienpsychologie“ als Vertiefungsfach und eine Beschreibung des Berufsfelds von Medienpsychologie. 

Darüber hinaus enthält die neue Rahmenprüfungsordnung einen Bezug zu Bachelor/Master-Studiengängen. Bei studienbegleitenden Prüfungen kann das Hauptstudium so gegliedert werden, dass die Fachprüfungen in den Anwendungsfächern und im Methodenfach bis zum Ende des sechsten Semesters abgelegt werden. Inklusive Grundstudium entspricht dies in etwa dem Umfang eines Bache- 
lor-Studienganges. Vertiefungsgebiete, Berufspraktikum, Diplomarbeit und ergänzende Fachprüfungen können danach (7.-9. Semester) abgelegt werden und entsprechen insgesamt in etwa dem Umfang eines Master-Studiengangs. Damit ist das Diplom in Psychologie einem Masterabschluss in Psychologie äquivalent. 

Damit ermöglicht es die neue Rahmenprüfungsordnung Medienpsychologie als Anwendungs- oder als Vertiefungsfach in einen Diplomstudiengang Psychologie zu integrieren. Werden Bachelor/Master-Studiengänge in der oben beschriebenen Form gestaltet ist es auch hier möglich, Medienpsychologie zu integrierten – als Anwendungsfach (5.-6. Semester) in einen Bachelorstudiengang Psychologie oder als Vertiefungsfach (ab 7. Semester) in einen Masterstudiengang Psychologie. 

Bacholor- und Master-Studiengänge

Gegenwärtig erarbeitet die Fachgruppe auf Basis der Empfehlungen der DGPs zur Gestaltung von Bachelor- und Master-Studiengänge in Psychologie eine Konzeption für das Fach Medienpsychologie.

Curriculum

Für Medienpsychologen gibt es kein fest umschriebenes Studium, das - wie etwa beim Klinischen Psychologen oder Organisationspsychologen - für eine wohl definierte Tätigkeit auf dem boomenden Arbeitsmarkt im Medienbereich qualifiziert. Daher hat sich die Fachgruppe im Jahr 2001 die Aufgabe gesetzt, Mindestanforderungen und Curricula für das Studium der Medienpsychologie zu entwickeln.

Um die Qualität der medienpsychologischen Ausbildung sicherzustellen und die Gestaltung von medienpsychologische Studiengängen zu ermöglichen, wurde ein Curriculum erarbeitet, das medienpsychologische Bereiche systematisiert und Empfehlungen für die inhaltliche und formale Gestaltung der medienpsychologischen Lehre im Hauptstudiums-Abschnitt des Diplomstudiengangs Psychologie gibt. Besonderes Augenmerk wurde auf eine Integrierbarkeit in die neue Rahmenprüfungsordnung gelegt. Das Curriculum sieht einen Pool aus möglichen Veranstaltungen zu vier Schwerpunkten (Modulen) des Studiums vor (Modul 1: Überblick; Modul 2: Forschungsfelder und aktuelle Probleme; Modul 3: Methoden der Medienpsychologie; Modul 4: Anwendung und Praxis der Medienpsychologie). 
In allen Modulen werden die unterschiedlichen Aspekte der Medienpsychologie, nämlich Medienwahl, Mediennutzung (die sowohl den Rezeptionsprozess als auch die Kommunikation mit Medien umfasst), Medienwirkung, Mediengestaltung sowie Mediensozialisation und Lernen mit Medien, berücksichtigt. 

Dieses Curriculum wird gegenwärtig überarbeitet, so dass es ggf. in Bachelor und Masterstudiengänge integriert werden kann.

Studienangebote

Es gibt nur relativ wenige Institute in Deutschland mit explizit medienpsychologischen Professuren, Lehrstühlen oder Abteilungen. Es hat sich jedoch an einigen nicht explizit medienpsychologisch benannten Lehrstühlen ein vielfältiges Lehrangebot etabliert. Weiterhin werden medienpsychologische Lehrveranstaltungen inzwischen an relativ vielen psychologischen Instituten angeboten. Bemerkenswert ist, dass das Fach Medienpsychologie inzwischen außerhalb der Psychologie ein relativ starkem Ausmaß gelehrt wird, so z.B. in medien- und kommunikationswissenschaftlichen Studiengängen, in Studiengänge der Medienpädagogik, der Medieninformatik, der Medienwirtschaft. Auch Fachhochschulen bieten in erheblichem Umfang medienpsychologische Lehrveranstaltungen an. 

Professuren und Arbeitsgruppen mit medienpsychologischen Forschungsausrichtungen und Studienangeboten innerhalb der Psychologie haben sich beispielsweise an folgenden Universitäten etabliert: FU Berlin, Duisburg, Göttingen, Jena, Koblenz-Landau, Köln, Münster, Regensburg, Saarbrücken, Tübingen, (Wien). 

Insgesamt hat sich das Angebot an medienpsychologischen Lehrveranstaltungen in den letzten Jahren nachhaltig verbessert. Ursache dafür sind die mit dem Stichwort der Informationsgesellschaft bezeichneten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Sie schaffen Nachfrage nach medienpsychologischer Expertise. Zur Systematisierung und Optimierung der medienpsychologischen 
Lehre trägt das von der Fachgruppe entwickelte Curriculum bei.